Meine Tochter wollte mal wissen, wie es in der Trudarmee war. Weil mein Gedächtnis nach der Trudarmee löchlich ist, habe ich versucht meine Erinnerungen eine Zeit lang aufzuschreiben und das geschriebene ihr zu lesen gab. Ich wollte es damals nicht nur für meine Kinder sondern auch für meinen Nachkommen und nichts mehr schreiben. Das was herausgekommen ist schicke ich Ihnen zum betrachten.

Die „Mobilisierung“ der Deutschen Männer in Kasachstan.

I „Mobilisierung“.

Den 17. Januar 1942 an einem schönen ruhigen Wintertag ging ich in guter  Laune von unserem Studentenwohnheim zur Mutter im Dorf Pokrowka. Auf der Straße im Dorf wurde ich von einer entgegen kommender junge Frau angehalten, angesprochen und bekam von ihr eine Vorladung zur Mobilisierung in die „Arbeitskolonnen“. Wohin und wozu wusste sie nicht. Im Krieg ist Mobilisierung eine selbstverständliche Tatsache. Ich wusste, dass schon einige Jahre vor diesem Krieg gaben es in der Sowjetarmee Strojbate (Baubaregements) und besonders die Deutschen zu diesen Strojbaten mobilisiert wurden und sehr unzufrieden mit so einem Wehrdienstat waren. Eigentlich waren das schon Arbeitskolonnen, weil die mobilisierten in diesen Bataillonen hauptsächlich ihre Dienstzeit in Arbeit verbrachten. Logisch gedachte ich mussten Arbeitskolonnen im Krieg an Front, in der Frontnähe sich befinden und den Kämpfenden Soldaten von verschiedensten Frontarbeiten (Tankgräben graben, Tanksperren errichten, Verbombte Wege und andere Objekte erneuern und s. w. …) entlasten. Was das alles Physisch für mich bedeuten konnte und mit welchen möglichen Folgen war mir auch klar. Dass die Arbeit- und Lebensverhältnisse kaum erträglich und sogar Todgefährlich sein könnten, war mir auch voll bewusst.  Die letzten Jahre hatte ich alle Jack Londons Überlebenserzählungen und Romane gelesen. Es ist schon äußerst wichtig die richtige Bücher rechtzeitig zu lesen und das richtige Wissen im richtigen Lebenszeitmoment zu bekommen. Dass es ja sehr schwer am Leben zu bleiben wusste ich schon. Ich war ja ich noch Jung, 17 Jahre alt und hatte in dieser Zeit vor dieser Zukunft nicht die geringste Angst und kein Zweifel. Was sein muss,. das muss sein! Also folgte ich meinen Weg zur Mutter ruhig weiter. Aber völlig anders nahm diese Nachricht meine Mutter auf. Sie erschrak, kam in Panik und konnte lange sich nicht beruhigen. Das war ja auch nach all dem, was sie im ersten Weltkrieg, im Bürgerkrieg, in den schweren Grasamen Stalins Zeiten schon überlebt hatte, verständlich. Nach einiger Beruhigung begann sie mir die mir die bevorstehenden Schwierigkeiten zu erklären und mich zu belehren. Mit den anderen Deutschen Einwohner in Pokrowka war es auch so. Alle Deutschen im Kasachstan waren sehr erschreckt und ahnten das schlimmste von dieser Mobilisierung, weil sie nur (???) die Deutschen Männer (Von 17 bis 50 Jahre) betraf. Aber, zur Planerfüllung wurden auch nicht wenig jüngere, ältere, und nicht gesunde Männer zugenommen.

Zum 2.01 1942 waren in Kasachstan 85280 Deutsche Männer und in der Nord Kasachischen Region 15600 Deutsche Männer von 16 bis 55 Jahre registriert.

Die folgenden Daten habe ich im Museum der Russlanddeutschen in Detmold entdeckt:

Usollag im Perm Kreis des Urals konnte 9000 Deutsche Männer als verhaftete aufnehmen. Nach Berias (Minister der inneren Angelegenheiten, Stalins vertraulichste Person) höchst geheimer Verordnung vom 12.01 1942 sollten 5000 Deutsche Männer nach Usollag (in der Umgebung der Stadt Solikamsk) abgeschickt werden und dort in die Verhaftungslager verteilt werden. Davon wussten wir Deutsche damals nichts. Davon wusste die Bevölkerung der Sowjetunion nichts. Davon wusste die ganze Welt nichts. So war es im Stalinismus damals in der Sowjet Union.

II Der Weg in die Ungewissheit und des Betruges.

Erst im Weg in die drückende drohende Ungewissheit, Tag zu Tag, wurde uns  langsam, allmählich verständlicher und klarer und gleichzeitig unverständlicher, unbegreiflicher die Art dieses unseres Mobilisierungsbetruges. Nach Stalins Willen (wie auch schon immer) sollten auch diesmal die Wörter ‚Mobilisierung’ und ’Arbeitskolonnen’ die „mobilisierende“ Deutsche, die umgebende Bevölkerung, die gesamte Bevölkerung der UdSSR und den Ausland besonders (was ihm auch diesmal wieder gelang) täuschen und betrügen.

So erschien ich (begleitend von Mutter und meinem jüngsten Bruder) den 23 Januar 1942 im Dorfssammelpunkt von Pokrowka in warmer Winterkleidung (Wattierter Wintermütze mit Ohrklappen, Wollpullover unter dem Herbstmantel, warmen Handschuhen und Filzstiefel), Unterwäsche und Bettwäsche Komplett , 10 tätigen Nahrungsmitteln Vorrat , Becher, Löffel und 2 Liter Aluminiumschüssel).

Hier kam ich mit meinem Onkel Heinz Unruh (Ehemann Muters Schwester Anna – Njüta, wie wir sie nannten) zusammen. Der Abschied voneinander war für alle sehr schwer und schmerzhaft. Das Wetter war miserabel und es schneite mit starkem Wind. Begleitete uns ein Militär Beauftragter. Als wir auf Schlitten abfuhren war es schon dunkel. Im Weg war so ein Schneegestöber, das man die Schlitten hinten und ferne schwer erkennen konnte. Der heftig anfliegende Schnee klebte den Pferden und den Kutscher die Augen zu. Die Pferde waren kaum im Stünde sich vorwärts zu bewegen. Der Frost war so stark, das es sich im Schlitten nicht saß und wir eine weile neben dem Schlitten liefen um sich zu aufwärmen. Gerade zu dieser Zeit kam Onkel Heinz seine Frau diesen Weg nach Hause uns entgegen.. Als ihr Schlitten neben dem Weg stand um die mobilisierten vorbei zu lassen schrie sie so laut wie sie konnte: Heinz! … Heinz! Sie wurde auf unseren Schlitten gehört. Onkel Heinz sprang in den tiefen Schnee und lief zu seiner Frau. So konnte er zufällig sich auch von seiner Frau auf immer verabschieden. Im Ortssammelpunkt Jawlenka wurden wir in Räumen mit zweistöckigen Pritschen untergebracht. Hier sollte eine Kolonne von Deutschen aus allen Kreisdorfs zusammen gebracht, versammelt werden. Es vergingen Tage und unser Nahrungsvorrat ging zum Ende. Dann wurden einige unsere Männer (auch Onkel Heinz) geschickt um von unseren Angehörigen und Verwarnten einen zusätzlichen ich Nahrungsmittelvorrat noch auf 10 Tage zu bringen. Die zurückgebliebene hatten schon große Schwierigkeiten uns ein Mal den Essvorrat zusammen zu bringen und jetzt musste es noch mal gemacht werden. Es gab auch solche Angehörige die es nur teilweise und gar nicht im stände waren zu erledigen. So bekam Onkel Heinz zufällig die Möglichkeit sich das letzten mal in seinem Leben mit seiner alten Mutter, Ehefrau Njuta (40 J.) und seinen 2 Kindern: Heinrich (..J.) und Elfi (..J) noch einige Stunden gemeinsam zu verbringen und sich von ihnen auf ewig zu verabschieden.

Dieser betrügerische Verschleppung Verhaftungsweg begann im Dorf Pokrowka, 7 Km. vor dem Kreisdorf Jawlenka am Fluß Ischim. Ungefähr nach 10 Tagen ging es dann weiter den 90 Km langen  Weg nach Petropawlowsk zur Eisenbahn. In einer breiter langen Kolonne zogen wir zum Bahnhof in Petropalowsk. Auf dem Bahnhof erblickten wir einen langen Güterzug mit den bewaffneten Männern vor den Zug Der Zug bestand aus Viehwagons mit einheitlichen in 2 ebenen Bretterpritschen. In diese Wagons wurden wir reingepfropft und von uns eine Liste ausgestellt. Jetzt durften wir unsere Wagons, den Eschalon nicht mehr verlasen und wurden von den bewaffneten Männern strengstes bewacht. Von jetzt an waren wir von den NKWD Beauftragten und Bewaffneter Wache „betreut“. So wurden wir aus Mobilisierten zu streng Bewachenden Verbrecher.. Wieso? ,Weshalb? Für was? Das war nicht begreifbar und …Den nächsten Tag fuhr unser Eschalon (Zug) in Richtung Westen ab. Noch immer wussten wir nicht, .wohin und wozu man wir wohin es geht und was uns vorsteht. Endlich war die Fahrt am Ende und wir wurden aus den Waggons raus gejagt. Wir befanden uns in Solikamsk am Wolganebenfluß  Kama im Nord-Westen des Urals im Perm Gebiet. Wir wurden aller in eine lange breite Kolonne gestellt, mit Bewaffneten Männer mit Hunden umringt und weiter in die Ungewissheit abkonvoirt. Es wurde uns nur gesagt, dass wir 6 Km weit gehen müssen. Es war ein klarer sehr frostiger Tag und schnell wurden die Nasen und Backen bei ein und den anderen weis. Mann begann sie heftig warm zu reiben und guckte auf die Nebengehende ob bei ihnen nicht was weis ist.

Der Weg war viel-viel länger als uns anfangs gesagt wurde. Wir hatten das Dorf Tschornoe, hoch ein Dorf Osokino hinterlassen … Als von Ermüdung immer mehr den gemeinsamen Schritttempo nicht mehr mitmachen konnten, verzog sich die Kolonne mehr und mehr in die Länge. Der Konvoi verteilte sich nach vorne und besonders hinten. Ausreisen vom Weg in den nicht bekannten Urwald mit dem über 1 M. tiefen Schnee war unvorstellbar. Zudem waren wir Deutsche zu gehorsam.

Statt der uns vorgesagten 6 Km war der Weg 45 Km (!). Erschöpft und Todmüde kamen wir endlich am späten dunklen Abend einer nach dem anderen die Füße kaum noch schleppend an einer hell beleuchteter typischer Verhaftungslager Zone an. Wir waren so müde und erschöpft, das es sich nicht mehr dachte und es uns nur noch zur Ruhe und zum schlafen zog. Trotzdem war Dieses Bild, dieser Mirage für uns ein Schock; der nicht begreifbar war. Es drehten sich nur die Fragen: Wieso? Weshalb? Für was? Erst als der letzte von uns am Lager angekommen war, wurden wir durchgezählt, durch den Wachraum (4) ins Lager reingezwungen und zu den Baracken (5)geschickt. Wir schleppten uns in die Baracken (bis 90 Mann in eine Barackenhälfte, Abteilung) mit einer Tür am jeden Ende. Als wir in unsere Abteilung rein kamen, war sie nur vom Feuer des Offen (einer glühender Metallplatte) in der Mitte sehr schwach beleuchtet. Gleich neben der Tür stand ein großer Blechwasserbehälter mit einem Blechbecher an einer Kette. Den 2 Nebenwenden entlang und perpendikular standen die 2-stöckige 4-Mann Bretterpritschen Blocks. Der Eingag zwischen ihnen war Einmannkörper breit und 2 Mann konnten da nicht gegenüber sitzen. Jeder von uns suchte sich einen noch freien (weiter von der offener Tür, dichter zum Ofen) Platz, legte seine wenige Sachen und Oberkleidung am Kopfende und legte sich um endlich in die Ruhe zu kommen. Schell schliefen einer nach dem anderen ein. So wurden wir „mobilisiert“ und betrügerisch in das Verhaftung Lager Usollag, ins Verbrecher Lager Pronkino gebracht, verschleppt. So funktionierte der Stalinismus. So wurde mit uns unschuldigen deutsclichen im Stalinismus umgegangen. Stalin war der grausamste Diktator von allen Diktaturen die es bis ihn gegeben hatte. Stalin war der mächtigste Diktator wahrscheinlich in der ganzen Menschengeschichte.

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